Unterhalt für Kinder

Rechtsanwältin Jutta Beukenberg ist Fachanwältin für Familienrecht in Hannover. Lassen Sie sich professionell beraten.
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Die Vorschrift des § 1610 Abs. 1 BGB bestimmt: „Das Maß des zu gewährenden Unterhalts bestimmt sich nach der Lebensstellung des Bedürftigen“. Dies gilt auch für den Kindesunterhalt. Kinder leiten ihre Lebensstellung von den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Eltern ab. Eine eigene Lebensstellung haben Kinder erst, wenn sie ihre Schul- und Berufsausbildung beendet haben. Der Unterhaltsanspruch richtet sich somit nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der Eltern, wobei ein Luxusleben trotz entsprechender Einkommensverhältnisse nicht finanziert werden muss. Während intakter Ehe wird der Unterhalt des Kindes in der Regel dadurch erbracht, dass ihm Unterkunft, Verpflegung und Kleidung gewährt wird sowie alle notwendigen Dinge des täglichen Lebens von den Eltern finanziert werden. Dies ist der sogenannte „Naturalunterhalt“.

Später kommt dann noch ein Anspruch auf Zahlung eines angemessenen Taschengeldes hinzu.

Gleichgestellt mit minderjährigen Kindern sind Schüler bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, solange sie sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden. Allgemeine Schulausbildung hat, den Erwerb eines allgemeinen Schulabschlusses zum Ziel (Hauptschulabschluss, Realschulabschluss, Abitur, Fachoberschulreife, Fachhochschulreife).

Eltern sind verpflichtet, ihrem Kind nach dem Schulabschluss eine Berufsausbildung zu ermöglichen. Grundsätzlich sind Eltern verpflichtet, nur eine Ausbildung zu bezahlen. Eltern müssen aber auch den Abbruch einer Ausbildung hinnehmen und eine Zweitausbildung finanzieren, wenn dieser Abbruch aus nachvollziehbaren Gründen erfolgte (z.B. gesundheitliche Gründe, Fehleinschätzung des Talentes o.ä.).

In Ausnahmefällen kann auch die Finanzierung einer Zweitausbildung verlangt werden, wie z.B. im klassischen Fall der Banklehre und des sich anschließenden Jura- und Betriebswirtschaftsstudiums.

In diesen Fällen ist auch die soziale und wirtschaftliche Stellung der Eltern als Angemessenheitskriterium mit heranzuziehen. Kinder haben weder als minderjährige noch als volljährig Priviligierte Anspruch darauf, dass ihnen die Eltern statt Naturalunterhalt Barunterhalt zahlen. Eltern haben das Bestimmungsrecht wie der Unterhalt gewährt wird. Dieses Bestimmungsrecht kann nur aus besonderen Gründen auf Antrag vom Familiengericht abgeändert werden.

Als besonderer Grund gelten:

  • Gewalttätigkeiten gegen das Kind
  • Notwendigkeit eines auswärtigen Studiums

Unterhaltsverpflichtung nach Trennung und Scheidung der Eltern

Minderjährige Kinder

Bei Trennung der Eltern verbleiben die minderjährigen oder noch in der Schulausbildung befindlichen Kinder in der Regel bei einem Elternteil. Dieser erbringt den Unterhalt weiterhin als Naturalunterhalt. Der andere Elternteil ist dem Kind barunterhaltsverpflichtet.

Der Barunterhaltsverpflichtete muss dem betreuenden Elternteil monatlich einen Geldbetrag für den Unterhalt des Kindes zur Verfügung stellen.

Die Höhe des Kindesunterhaltes richtet sich nach der „Düsseldorfer Tabelle“. Die Düsseldorfer Tabelle hat keine Gesetzeskraft, stellt aber eine Richtlinie dar, die von den Gerichten regelmäßig zugrunde gelegt wird.

Die monatlichen Unterhaltsrichtsätze gehen davon aus, dass Unterhaltspflichtige einem Ehegatten und 2 Kindern Unterhalt gewähren muss.

Bei mehr oder weniger Unterhaltsberechtigten kann eine Einstufung in eine niedrigere oder höhere Gruppe angemessen sein.

Düsseldorfer Tabelle – Kindesunterhalt | Stand 1. Januar 2019

Nettoeinkommen des
Unterhaltspflichtigen in Euro
Altersstufen in Jahren (§ 1612 A I BGB)
Beträge in Euro
Prozent Bedarfs-
kontroll-
betrag in Euro
0-5 6-11 12-17 AB 18
1. bis 1.900 354 406 476 527 100 880/ 1.080
2. 1.901-2.300 372 427 500 554 105 1.300
3. 2.301-2.700 390 447 524 580 110 1.400
4. 2.701-3.100 408 467 548 607 115 1.500
5. 3.101-3.500 425 488 572 633 120 1.600
6. 3.501-3.900 454 520 610 675 128 1.700
7. 3.901-4.300 482 553 648 717 136 1.800
8. 4.301-4.700 510 585 686 759 144 1.900
9. 4.701-5.100 539 618 724 802 152 2.000
10. 5.101-5.500 567 650 762 844 160 2.100
Bei Einkommen über 5.501 Euro netto wird einzelfallabhängig ermittelt

In den Unterhaltsbeträgen sind Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung nicht enthalten.

Das auf das Kind entfallende Kindergeld steht den Eltern jeweils hälftig zu. Bezieht die Mutter das Kindergeld muss der Vater den Barunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle abzüglich des hälftigen Kindergeldes zahlen.

Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten des OLG Celle: www.olg-celle.de
Unterhaltsrechtliche Leitlinien 2019 der Familiensenate des OLG Celle: https://www.oberlandesgericht-celle.niedersachsen.de/download/139315/olg-Leitlinien_Stand_1.1.2019.pdf.pdf

Volljährige Kinder

Bei volljährigen Kindern, die noch im Haushalt der Eltern oder eines Elternteiles wohnen, ist Unterhalt nach der 4. Altersstufe der Tabelle zu zahlen.

Der Unterhaltsbedarf eines auswärts Studierenden oder eines Kindes mit eigenem Haushalt beträgt in der Regel monatlich 735,00 Euro.

Eigenes Einkommen des Kindes, wie z.B. die Ausbildungsvergütung ist auf den Unterhaltsbedarf des Kindes anzurechnen, gekürzt um einen ausbildungsbedingten Mehrbedarf.

Der Unterhaltsbedarf von volljährigen Kindern bemisst sich nach dem zusammengerechneten Einkommen beider Elternteile.

Der Bedarf des volljährigen Kindes von 735,00 Euro zuzüglich Kranken- und Pflegeversicherung sowie Studiengebühren ist von den Eltern anteilig zu decken.

Das Kindergeld ist in voller Höhe auf diesen Bedarf anzurechnen und reduziert damit den von den Eltern zu tragenden Unterhaltsbedarf.